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Unser Gemeindehaus (Rathaus und „Backes“)

Unser Gemeindehaus, mit Rat- mit Backhaus (Backes), liegt in der Ringstraße und bildet mir der unmittelbar angrenzenden Evangelischen Kirche St. Walburga einen optischen Glanzpunkt in unserer Gemeinde. Der Westerwälder Radwanderweg und der Selterser Rundwanderweg (S 1) führen am Rathaus vorbei.


Ich möchte Ihnen das Gebäude und die Geschichte des Rathauses mit den vielen Umbaumaßnahmen vorstellen.

„Die Ursprünge“

Das Haupthaus unseres Gemeindehauses ist ein Kind der so genannten „Kuno-Zeit“. Anfang der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, in den Zeiten der Weimarer Republik, war eines der dringendsten Probleme die hohe Arbeitslosigkeit. Der damalige Arbeitsminister Kuno sah eine Möglichkeit diesem Problem mit Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zu begegnen. Die Errichtung von öffentlichen Bauten war ein Teil dieser Arbeitsförderung. So entstand im Jahre 1923 auch das Rathaus in Nordhofen mit Hilfe von Arbeitsminister Kuno.

Im Erdgeschoss wurden zwei Backöfen gebaut, einer für das „Unterdorf“ und einer für das „Oberdorf“. Die beiden Backöfen waren durch eine Mauer getrennt. Am jeweiligen Backtag wurde die Reihenfolge Nutzer ausgelost. Die zuerst ausgeloste Familie hatte die meiste Arbeit, sie musste den Backofen mit „Schanzen“ (im Wald gesammeltes und gebündeltes Reisig) anheizen und auf Temperatur bringen. Der letzte Nutzer hatte die Aufgabe das Backes zu reinigen.

Im Obergeschoss des neuen Gebäudes wurde ein Rats- und Versammlungssaal eingerichtet. Der Schornstein für den Backes ging mitten durch den Raum. Die Beheizung erfolgte (und das noch bis 1994) durch einen „Kanonenofen“ der mit Holz „gestocht“ wurde.

„Die Erweiterung“

Im Jahre 1958 entschloss sich die Gemeinde das Rathaus zu erweitern und mit drei, für die damalige Zeit, modernsten Einrichtungen auszustatten.

Da es in den meisten Haushalten unserer Gemeinde noch keine Bäder gab, wurde im Untergeschoss des Anbaues ein öffentliches Badehaus mit Duschen und Badewannen eingerichtet. Die Bevölkerung rückte allwöchentlich mit Handtuch und Seife an. Dafür, dass sich niemand vordrängte und die Anlagen sauber waren, sorgte ein Bademeister, der über die Anmeldungen exakt Buch führte. Duschen kostete 50 Pfennige und Baden eine Mark. Die Wartezeiten verkürzten sich die „Noorder“ mit einem Schwätzchen, und so wurde das Badehaus mehr und mehr zu einem beliebten Treffpunkt, wo jeder die neuesten Dorfnachrichten erfuhr.

Im Erdgeschoss des Anbaues entstand eine hochmoderne „elektrisch-vollautomatische Tiefkühlanlage“. 36 Tiefkühlboxen und ein „Vorkühlraum“ wurden am 27. April 1960 der Gemeinde vom Anlagenbauer, der Fa. BBC in Mannheim, übergeben. Die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde konnten gegen einen geringen Kostenbeitrag die Tiefkühlboxen mieten. Da viele Familien über einen eigenen Gemüsegarten verfügten und auch noch rege von der Möglichkeit der „Hausschlachtung“ gebrauch gemacht wurde, waren die verfügbaren Boxen schnell vergriffen. Der Vorkühlraum fand bei den „Hausschlachtungen“ regen Zuspruch, um das Fleisch bis zur Verarbeitung kühlgerecht zu lagern.

Zu dieser Zeit war die Nutzung der Backöfen zunehmend rückläufig. Der Rat der Gemeinde fasste daher den Entschluss, die Öfen still zu legen. Sie wurden einfach zugemauert und von den Einwohnern weitgehend vergessen.

Im den nun freien Räumen entstand eine Waschanlage mit Waschmaschine und Schleuder, über die eine Waschfrau wachte. Noch bis Anfang der 70er Jahre brachten viele Bürger ihre schmutzige Wäsche hierher und holten sie nach ein paar Stunden sauber wieder ab. Zum Trocknen aufhängen und bügeln mussten sie allerdings noch selbst. Die schmutzige Lauge wurde anfangs noch in einem Eimer aufgefangen. Sie diente daheim noch zum Waschen der stark verschmutzten Arbeitskleidung. Die meisten Männer schufteten in dieser Zeit nicht nur in Siershahner Tongruben oder Keramikfabriken in der Umgebung, sondern auch noch als Nebenerwerbslandwirte auf ihren Feldern, um die Familien ernähren zu können.

„Der Umbau und die Sanierung“

Anfang der 90er Jahre waren der Bade- und Waschbetrieb schon lange eingestellt. Jeder Haushalt verfügte inzwischen über ein eigenes Badezimmer und eine Waschmaschine. Die ehemals modernen Anlagen waren mehr oder weniger zu Abstellräumen und Rumpelkammern verkommen. Alleine die Kühlanlage wurde noch rege genutzt, war aber auch in die Jahre gekommen.

Der Gemeinderat entschloss sich im Jahre 1993 zu einer umfassenden Sanierung und dem Umbau des Gebäudes. Das Land Rheinland-Pfalz unterstützte die etwa 140.000,00 DM teuren Maßnahmen aus Mitteln des Dorferneuerungsprogrammes und der Denkmalpflege. Besonderes Interesse bestand von Seiten der Verantwortlichen der Gemeinde und der Denkmalpflege an der Freilegung bzw. Instandsetzung der beiden Backöfen.
Nach einer Bauzeit von etwa 15 Monaten konnte im September 1995 ein umfassend saniertes, funktionales und attraktives Gebäude seiner Bestimmung übergeben werden. Wie nicht anders zu erwarten, wurden die vielen Gäste und die Einwohner von Nordhofen mit frischen Backesbrot und Blechkuchen aus dem „Backes“ verköstigt.

„Das Gebäude nach der Umbaumaßnahme 1994/1995“

Im Obergeschoss des älteren Gebäudeteiles ist ein Sitzungssaal für den Gemeinderat eingerichtet, der aber auch von den Vereinen des Ortes für Besprechungen und Versammlungen genutzt werden kann. Darunter befinden sich die schon beschriebenen zwei alten Backöfen. In einem von beiden kann heute wieder gebacken werden. Das Untergeschoss des Anbaues wurde vollständig entkernt. Dort sind eine kleine Küche, Toiletten und zwei Archivräume für die Gemeinde entstanden. Eines hat sich nach der Sanierung 1994/1995 noch mal geändert. Die Kühlanlage im Erdgeschoss des Anbaues wurde 2004 außer Betrieb gesetzt und demontiert. Obwohl noch rege genutzt, war eine erforderliche Reparatur und Sanierung der Kühlboxen nicht mehr möglich, da für die nun etwa 45 Jahre alte Anlage einfach keine Ersatzteile mehr zu bekommen waren. Einzig der Vorkühlraum ist noch betriebsbereit und wird weiter genutzt. Dort einst die Kühlboxen standen, befindet sich heute ein Lager für die Gemeinde.

„Die Nutzung des Backes“

Der Vereinsring veranstaltet regelmäßig sein Backesfest am Gemeindehaus
Der Backes (mit Küche und Toiletten) kann aber auch von Privatpersonen für private Feiern angemietet werden. Nach Einweisung kann der Backofen mitgenutzt werden. Wenn Sie Interesse haben, wenden Sie sich an den Ortsbürgermeister.

Der Sitzungssaal ist auf Grund der Lage und der Einrichtung für Feierlichkeiten nicht geeignet.

Nordhofen, im Juli 2006

Edgar Reifenscheidt

Brotbacken im Backes 2006

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